... die Ihnen Ärger ersparen können!
Auf dieser Seite haben wir ein paar Tipps zusammengetragen, die Ihnen das Leben mit Prothesen, Orthesen und anderen Hilfsmitteln erleichtern können. Einige davon sind etwas unkonventionell, aber sehr hilfreich - sie stammen von Betroffenen, die im täglichen Umgang mit ihrer Behinderung den einen oder anderen Kniff gefunden haben, wie's leichter oder angenehmer geht.
Wenn Sie auf einen "Trick" gekommen sind, von dem Sie meinen, dass er auch anderen helfen könnte, schreiben Sie uns!
Zu folgenden Themen liegen bisher Tipps vor:
Auf einer gesonderten Seite erhalten Sie wichtige Informationen zum Thema Hilfsmittel / Pflegehilfsmittel und das Arztbudget.
Sollten Sie hier nicht fündig werden, schauen Sie doch mal in unser Forum!
Tipps zu Amputationen
Wichtig ist für Amputierte eine gute Stumpfpflege. Hervorragend geeignet sind dafür die "Cleani Stump"-Tücher, besonders für unterwegs oder um sich schnell mal frisch zu machen, wenn man länger unterwegs gewesen ist. Der Effekt: eine vollständige Desinfektion (Vermeidung von Entzündungen!) mit Geruchsbremse und, besonders wichtig, eine Rückfettung; die Haut wird also nicht ausgetrocknet. Leider sind diese Tücher nicht ganz billig...
Amputationsstümpfe müssen abgehärtet werden, damit ein problemloses Tragen von Prothesen möglich ist. Bewährt hat sich hier die Fingerbürste (nicht zu hart wählen!), mit der man ohne großen Druck den Stumpf auf- und abwärts in kreisenden Bewegungen massiert. Ein zusätzlicher positiver Effekt ist, dass die Durchblutung gefördert wird.
Leiden Sie unter Nervenschmerzen am Stumpf? Hier gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten - Stumpfmassagen, Akupressur und Akupunktur sind einige davon. Interessant ist auch die Therapie mit Nervenstimulationsgeräten, den sogenannten TENS-Geräten, die bei exakter Anwendung oft sehr gute Erfolge erzielt. Was viele nicht wissen, ist, dass diese Geräte rezeptierfähig sind, weil sie als Hilfsmittel gelten. Fragen Sie Ihren Arzt danach!
Besonders für Unterschenkelamputierte, die erst vor kurzer Zeit mit einer Prothese mit Iceross-System versorgt wurden, ist die Ansudor-Emulsion interessant. Diesen absoluten Schweißstopper gibt es in der Apotheke. Für den Preis von ca. 23,- DM sieht es zwar nach wenig aus, reicht aber dennoch sehr lange. Getestet und für gut befunden!
Gehen Sie viel schwimmen, evtl. in warmem Wasser! Das lockert, nimmt Spannungen und beugt dem Todfeind des Technikers vor: der Muskel- und Sehnenkontraktur (Verkürzung)! Ebenfalls hilfreich ist ein Theraband, das es in verschiedenen Stärken gibt (Kostenpunkt: ca. 8,- bis 12,- DM), zur Muskelübung in allen Bewegungsebenen. Nicht vergessen: Der Orthopädiemechaniker kann nicht alles allein bewerkstelligen; es muß auch viel vom Patienten ausgehen! Zum Thema Rauchen muß hier wohl nicht mehr viel gesagt werden... (Nur ein Stichwort: Raucherbeine.)
Tipps zu Oberschenkelprothesen
Haben Sie oft wunde Stellen am oberen Prothesenrand? In meinen ersten Jahren als Prothesenträger hatte ich trotz guter Passform des Schaftes regelmäßig damit zu kämpfen. Seit eineinhalb Jahren schmiere ich nach dem Anlegen der Prothese die gefährdeten Hautpartien mit einer ausreichenden, aber nicht zu großen Menge Vaseline ein - und hatte seitdem nicht eine einzige wunde Stelle!
Oft passiert es, dass man den Oberschenkelstumpf mit der Anziehhilfe zu fest in den Schaft zieht, so dass die Haut besonders im Schritt zu sehr unter Spannung steht (nur, wenn der Strumpf nicht in der Prothese verbleibt). Dies lässt sich vermeiden, wenn man ein kleines Stück Stoff (z. B. ein halbiertes Taschentuch) über den Prothesenrand legt, dann die Prothese anlegt und das Stück Stoff zum Schluss wieder herauszieht. Dadurch wird die Haut wieder ein wenig aus der Prothese herausgezogen und somit entspannt. Achten Sie darauf, dass Sie den Stoff beim Anziehen nicht zu weit mit in den Schaft hineinziehen, da Sie sonst zuviel Haut mit herausziehen, was zu unangenehmen Hautfalten am Prothesenrand führen kann, die man sich wundlaufen könnte!
Eine hervorragende Alternative zu den auch heute noch üblichen Anziehhilfen aus Strumpfstoff sind übrigens die Quickfit-Anziehhilfen der Firma Gömed. Sie sind extrem belastbar (Fallschirmseide!), sehr gleitfähig und bewirken vor allem, dass der Stumpf sehr gleichmäßig in die Prothese gezogen wird, wodurch das oben beschriebene Problem nur noch äußerst selten auftritt. Einzige Gefahr: Durch zu schnelles Einziehen kann es passieren, dass das Volumen des Stumpfes nicht wirklich in den Schaft transportiert wird. Mit ein wenig Übung sollte das aber kein Problem sein.
Tipps zu Unterschenkelprothesen
Auch bei Unterschenkelprothesen mit Iceross-System kann Vaseline sehr nützlich sein. Besonders, wenn man wie ich einen Comfort-Liner benutzt, passiert es wegen der höheren Flexibilität und Adhäsion (Haftung) des ansonsten sehr angenehmen Materials leicht, dass im Sitzen etwas Haut im Kniekehlen-Bereich in eine Falte des Liners gerät, was zu wunden Stellen führen kann. Eine dünne (!) Schicht Vaseline in diesem Hautbereich wirkt da Wunder.
Den Comfort-Liner kann ich übrigens denen sehr empfehlen, die entweder sehr aktiv sind und den Stumpf sehr belasten (ich habe zusätzlich eine Oberschenkelprothese, so dass das Bein mit der Unterschenkelprothese mein Standbein ist) oder aber trotz eines etwas empfindlicheren Stumpfes gern das Iceross-System benutzen möchten. Das Material ist etwas dicker und erheblich weicher, was zur Folge hat, dass der Druck verteilt und besser abgefangen wird. Der Nachteil ist, dass man einen neuen Schaft braucht - und dass man der Krankenkasse begreiflich machen muß, dass man ein solches System braucht, das zugegebenermaßen etwas teurer ist als das normale Iceross-System. Bei Interesse sollten Sie mit Ihrem Orthopädiemechaniker Rücksprache halten oder sich an uns wenden.
Manche Patienten bekommen nach der Umstellung auf Silikon-Haftschaftprothesen am Linerrand zirkuläre Bläschen. Diese entstehen meist durch die hohe Adhäsion (Haftung) des neuen Liners. Durch mehrmaliges Waschen vor dem ersten Einsatz kann dies verhindert werden. Bereits entstandene Bläschen können durch Auftragen einer Wundcreme an den betroffenen Stellen zum Abklingen gebracht werden. Manchmal entstehen die Bläschen auch durch ein Hochziehen des Liners - die Haut kommt unter Spannung und reagiert. Dies kann vermieden werden, indem der Liner ausschließlich aufgerollt oder geschoben wird. Oft ist es auch sinnvoll, die Haut nach dem Anziehen am oberen Linerrand ein klein wenig wieder herauszuziehen.
Hier ein Tipp für sehr aktive und mobile rechtsseitig Unterschenkel- und Oberschenkelmputierte, die gern Motorrad fahren möchten: Einige moderne Motorräder (z. B. BMW R1150RT) verfügen serienmäßig über eine Integralbremsanlage mit automatischer Bremskraftverteilung, die zudem ohne übermäßig viel Kraft betätigt werden kann. Das Bremsen mit dem rechten Fuß wird somit unnötig. Die Schaltwippe wird allerdings weiterhin mit dem linken Fuß bedient, sodass dies wie angedeutet nur eine Lösung für Beinprothesenträger mit einem gesunden linken Bein ist.
Dieser Tipp wird zwar nicht gerade für die Mehrheit interessant sein, dafür für einige um so mehr: Wer wie ich eine Unterschenkelprothese mit Iceross-System trägt, zusätzlich aber nur einen Arm hat, wird schon des Öfteren arge Probleme beim Anziehen des Liners gehabt haben - oder aber grundsätzlich von der Hilfe anderer anderer abhängig sein. Doch das muss nicht sein! Und die Lösung ist so einfach: Eine leere 1-Liter-Plastikflasche dient mir seit Jahren als perfekte Anziehhilfe. Man wendet den Liner wie gehabt, stülpt ihn über die Flasche, steckt dabei den Zapfen in die Flaschenöffnung und kann nun den Liner ohne großen Kraftaufwand in Position halten und dann über den Stumpf rollen (siehe Foto, auf dem ich gerade "bei der Arbeit" zu sehen bin). Sinnvoll ist es, den Boden der Flasche dabei mit wenig Druck z. B. an der Bettkante abzustützen.
Tipps zu Korsetts und Orthesen
Das Tragen eines Korsetts bedeutet für die Trägerin oder den Träger eine sehr anstrengende Zeit, weil versucht wird, der Natur durch die Haltungskorrektur ein Schnippchen zu schlagen. Mit viel Krankengymnastik führt das allerdings dann auch zum Erfolg. Ein kleiner Tipp: Faltenfreie Korsett-Unterwäsche nimmt den Schweiß sehr gut auf und schützt vor dem sonst so häufigen Wundreiben. Sie ist im Sanitätshaus zu bekommen und kostet etwas mehr als normale Wäsche, aber es lohnt sich.
Tipps zu Venenerkrankungen / Kompressionsstrümpfen
Zwei Paar Kompressionsstrümpfe pro Jahr werden von den Krankenkassen bezahlt, was auch unbedingt nötig ist - man muss sie ja auch mal waschen, und unter Verschleiß leiden sie auch. Aber wie bekommt man sie angezogen? Das ist oft ein ziemliches Theater. Äußerst hilfreich sind da Anziehhilfen wie z. B. der Butler von medi Bayreuth oder die Ofafit-Anziehhilfe aus Ballonseide. Auch helfen dünne Gummihandschuhe beim Aufwärtstransport des Strumpfes. Entscheidend ist immer eine optimale Passform und wie gut das liefernde Unternehmen seine Patienten informiert und mit Tipps ausstattet.
Sehr gern werden gerade von Kompressionsstrumpfträgern die Produkte der Firma Gehwol benutzt. Sie eignen sich sehr gut zur Pflege müder, geschwollener Beine und Füße, die evtl. auch noch schnell "riechen". Probieren Sie es doch einfach mal!
Ganz wichtig ist es bei Venenleiden, dass man seine Kompressionsstrümpfe auch wirklich regelmäßig trägt. Am besten zieht man sie morgens schon vor dem Aufstehen im Bett an. Vermeiden sollte man außerdem langes Stehen oder Sitzen, Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen.
Tipps zu Eingriffen an Extremitäten
Nach Eingriffen am Knie bzw. Arm empfiehlt sich der Einsatz einer Motorbewegungsschiene. Diese ist kassenüblich und rezeptierfähig. Man löst Spannungen und auch Gelenkinnenraumverklebungen. Sie können, nach Absprache mit dem Arzt, langsam den Bewegungsumfang ausbauen. Eingesetzt werden sollte sie mindestens dreimal täglich 90 Minuten lang. Es ist eine langwierige Angelegenheit, aber sehr effektiv. Vorsicht: Nach 6 bis 8 Wochen ist das Risiko einer neuen Verletzung recht hoch, weil man zu früh glaubt, wieder gänzlich hergestellt und voll belastbar zu sein.
Tipps zu Verbrennungen
Leider passiert es schnell - man hat eine Tasse heißen Kaffee o. ä. auf dem Tisch stehen, dreht sich nur kurz um, und schon hat sich das Kind alles über den Körper gegossen. Und dann? Nach der ärztlichen Behandlung sollten Sie unbedingt an der Kompressionstechnik festhalten (Ihr Arzt berät Sie sicher gern zu diesem Thema). Achten Sie immer auf einen perfekten Sitz - und denken Sie daran, dass bei Kindern bei längerer Anwendung die maßgefertigten Kompressionsbandagen "mitwachsen" müssen! Am liebsten arbeiten wir mit Thuasne-Material kombiniert mit Silikonpelotten nach Maß. Das macht die Sache etwas teurer, führt aber unserer Erfahrung nach zu Top-Ergebnissen!
Bücher, Broschüren und anderes Informationsmaterial
Ein absolutes Muss ist die Broschüre "Ratgeber für behinderte Menschen", die Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung online bestellen oder einfach herunterladen können. Das Heft ist interessant, inhaltvoll und vor allem kostenlos. Nur einige der Themen: die Rente, Berufsbildungswerke, Berufsförderungswerke, medizinische Einrichtungen, Sozialhilfe, soziale Sicherung im Überblick, Hilfe für Opfer von Gewalttaten. Unbedingt sofort besorgen!
Ebenfalls äußerst empfehlenswert für Techniker und Interessierte sind der
"Klinikleitfaden Orthopädie" (ISBN-13: 978-3437224713) und der
"Leitfaden Physiotherapie" (ISBN-13: 978-3437452116).
Beide Bücher kosten weniger als 45,- EUR und sind klein und handlich. Für ca. 50,- EUR erhält man die
"Duale Reihe Orthopädie" (ISBN-13: 978-3131308153),
ebenfalls ein Muss.
Von der BARMER Ersatzkasse (BEK) gibt es das
"BEK Medizinlexikon A-Z",
und zwar in jeder Dienststelle. Das Lexikon ist kostenlos, wenn man etwas bestellt.
Aktuell, gut, dick, groß - und leider auch teuer - ist das Buch
"Orthopädietechnische Indikationen" (ISBN-13: 978-3456827841) von A.-R. Bähler.
Für Auszubildende und Ausbilder gleichermaßen kann ich den
"Fachlehrgang Orthopädie-Technik" von H. John und G. Albrecht
empfehlen. Das Werk ist im Verlag Orthopädie-Technik (Dortmund, Telefon 0231/579321) erschienen. Gleichermaßen lehrreich und umfangreich ist das
"Taping-Seminar" (ISBN-13: 978-3932753121) von H. J. Montag und P. D. Asmussen - das Standardwerk der Funktionellen Verbandtechnik.
Der letzte Buchtip ist speziell für ins Ausland ziehende Techniker gedacht: ein Fach-Sprachführer Deutsch-Englisch / Englisch-Deutsch aus einem Meisterlehrgang. Weiterzugeben auf Anfrage und nach langem Betteln! ;-)
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