Was unsere Kunden mit von uns hergestellten Hilfsmitteln so alles erreichen
Fast täglich stellen wir neue Prothesen fertig, passen Orthesen an oder statten unsere Kunden mit anderen Hilfsmitteln aus. Dabei verwenden wir aktuelle Hightech-Produkte und -Materialien, setzen neueste Produktionsverfahren ein und sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, uns noch weiter zu verbessern. Doch wir interessieren uns nicht nur für die Technik, sondern in besonderen Maße auch dafür, wie das Ergebnis unserer Arbeit unseren Kunden im täglichen Leben weiterhilft und ihnen manchmal sogar Höchstleistungen in Beruf und Freizeit ermöglicht. Daher freuen wir uns immer über Rückmeldungen unserer Kunden und möchten Ihnen einige von ihnen vorstellen.
Kirsten Bruhn - Schwimmerin mit Paralympics-Madaillen-Ambitionen
Vor kurzem hat mir Kirsten Bruhn kurz nach ihrem erfolgreichen Wettkampf bei den British Open in Sheffield ein Interview gegeben.
Ralph Scharpenberg: Hallo Kirsten, ich freue mich, dass du zwischen deinen vielen Wettbewerben und den Paralympics kurz für unsere Leser Zeit hast.
Kirsten Bruhn: Aber gerne, deine "Motivationsseite" unterstütze ich gerne.
Ralph Scharpenberg: Du bist unser größtes Schwimmtalent. Was machst du gerade?
Kirsten Bruhn: Ich arbeite (lacht), und zwar bei der AOK in Neumünster als Kundenberaterin.
Ralph Scharpenberg: Ja, aber... wie geht das bei dem immensen Trainingspensum, das du absolvieren musst?
Kirsten Bruhn: Ich habe großes Glück und werde durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe so gefördert, dass ich einige Stunden des Tages komplett in mein Training stecken kann.
Ralph Scharpenberg: Du warst schon mit 15 Jahren zur Qualifikation der Junioren-Europameisterschaften, hast dich aber auf Schule und Beruf konzentriert. Dann der Unfall 1991 - inkompletter Querschnitt. Wann ging es mit dem Schwimmen wieder los?
Kirsten Bruhn: 2002 habe ich dann wieder an Wettkämpfen teilgenommen - frei nach meinem Leitsatz: "Ich bin zwar behindert, aber ich bin nicht behindert!" Ich habe also von vorn angefangen, und es läuft/schwimmt ja nicht ganz so schlecht...
Ralph Scharpenberg: Stimmt auffallend! 2006 warst du für den Laureus Sport Award nominiert, 2007 dann Sportlerin des Jahres in Schleswig-Holstein und nun Olympia-nominiert und unsere ganz große Goldhoffnung.
Kirsten Bruhn: Schau'n wir mal... (lacht bescheiden) Gold wäre schon schön, aber seien wir mal ehrlich - Bronze schimmert schöner als Gold.
Ralph Scharpenberg: Nun mal nicht so bescheiden.
Du wirst 100 m Brust und Rücken angehen, wie bereitest du dich auf diesen wichtigsten Wettkampf vor?
Kirsten Bruhn: Natürlich mit meinem Trainer, Freund und Gönner - meinem Vater!
Ralph Scharpenberg: Wow, ihr arbeitet zusammen. Was steht denn nun bei euch Zweien so an?
Kirsten Bruhn: Es geht jetzt mit der Leistungsdiagnostik los und steigert sich nach einem festen Plan und Ablauf bis zum Wettkampf, harte Arbeit eben.
Ralph Scharpenberg: Wie ist es denn mit dem Mediendruck auf dich, du bist ja doch das Paralympics-Aushängeschild für deinen Sport.
Kirsten Bruhn: Das ist schon manchmal ein bisschen viel. Ich würde mich freuen, wenn auch andere tolle Sportler die Aufmerksamkeit bekämen. Ich denke da zum Beispiel an Daniel Clausner. Er ist sehbehindert und ein toller Schwimmer und Sportler!
Ralph Scharpenberg: Was wünscht du dir für die Zukunft?
Kirsten Bruhn: Erfolg für unser Team bei den anstehenden Wettkämpfen und mehr Integration von Behinderten in das ganz normale Leben. Es sollte nicht so viel Extrawurst und getrennte Behandlung geben... dann gäbe es mehr Selbstverständlichkeit. Ein Miteinander, nicht Nebeneinander!
Ralph Scharpenberg: Ja, das glaube ich gern. Was kannst du unseren Lesern zu deinem Sport empfehlen, wie kommt man so weit wie du?
Kirsten Bruhn: Oh, danke für die Blumen. Dazu gehört sicherlich Stehvermögen und Disziplin, aber unbedingt auch tolle Helfer und Trainer und Freunde. Wichtig sind gute und kompetente Ansprechpartner, z. B. hier im Norden Dörte Paschke (www.doerte-paschke.de) aus Greifswald. Sie ist Co-Trainerin für den Cheftrainer der Schwimm-Nationalmannschaft des DBS (Deutscher Behinderten-Sportverband) und trainiert zum Beispiel auch Torben Schmidtke und Mario Hartmann (beide sind - man vermutet es kaum - ebenfalls Schwimmer).
Ralph Scharpenberg: Also werde ich bei Nachfragen Dörte empfehlen. Vielen Dank für das Interview - wir alle wünschen dir den maximalen Erfolg. Auf dass bald Gold an dir hängen wird, auch wenn es nicht "so gut aussieht"! (schmunzelt) Vielleicht magst du ja bei uns nach den Wettkämpfen über deine Eindrücke berichten. Das wäre was! Ich drücke dir schon mal kräftig die Daumen.
Kirsten Bruhn: Danke dir, das will ich gern tun. So, nun muss ich wieder ins Wasser - der Trainer ruft, bis bald!
Ralph Scharpenberg: Bis bald und danke.
Nachtrag: Kirsten konnte ihre Medaillenträume wahr machen. Einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze, so lautete die Bilanz dieser Ausnahmeschwimmerin bei den Paralympics in Peking. Damit gewann sie in jedem Wettbewerb, an dem sie teilnahm, auch eine Medaille. Über 100m Brust, wo sie später auch die Goldmedaille gewann, stellte sie im Vorlauf zudem einen neuen Weltrekord auf - es war der insgesamt 37. Weltrekord ihrer beeindruckenden Sportlerkarriere. Neben dieser Goldmedaille gewann sie noch Silber über 100m Rücken sowie Bronze über 50m, 100m und 400m Freistil. Zu dieser unglaublichen Leistung gratulieren wir sehr herzlich!
Nick Weihs - das Sprint-As
Für Nick Weihs haben wir eine "Turbo-Prothese" für den rechten Unterschenkel gebaut. Nick wird von Andreas Peter trainiert, der ihn möglichst auf die übernächsten Paralympics vorbereiten will. Wir haben für Nick eine High-End-Unterschenkel-Prothese in Vollcarbon mit Spezial-Tecliner, Unterdruckkammer sowie zwei Carbonfedern für Sprint und Jogging gefertigt. Diese Federn kann er je nach Bedarf selbst unterbauen, für das Training oder den Wettkampf.
Wir haben Nick ein wenig befragt zu seinen sportlichen Zielen und seiner prothetischen Versorgung:Ralph Scharpenberg: Hallo Nick, schön, dass du kurz Zeit für ein Interview hast. Wie geht's dir?
Nick Weihs: Prima, danke. Und ich freue mich, dass du dich für mich und meinen Sport interessierst.
Ralph Scharpenberg: Sag doch bitte kurz etwas zu deiner Person, mit "technischen Angaben" und auch ein paar Informationen zu deiner Stumpfsituation..
Nick Weihs: Also ich bin 15 Jahre jung, zur Zeit 1,79 m groß und wiege 67 kg. Ich lebe in Mecklenburg-Vorpommern. Nach einem Unfall bin ich rechtsseitig Unterschenkel-amputiert. Leider ist mein Stumpf sehr spitz und anfällig gegen Druck und Reibung aller Art.
Ralph Scharpenberg: Was bedeutet das für dich, insbesondere für deine sportlichen Ambitionen?
Nick Weihs: Tja, da ich sehr aktiv im Bereich der Leichtathletik bin, Schwerpunkt Laufen und Weitsprung, waren meine Möglichkeiten lange erheblich eingeschränkt. Ich hatte zwar eine Silikon-Unterschenkelprothese, aber eben nicht die richtige für meine Stumpfverhältnisse und mein sportliches Weiterkommen.
Video: Nick Weihs beim SprintRalph Scharpenberg: Was meinst du mit "nicht die richtige"?
Nick Weihs: Na ja, es gibt offenbar viele Möglichkeiten, gerade auch einen schwierigen Stumpf in einer Prothese zu betten, vor allem wenn dieser was leisten soll. Bei meiner alten Prothese war das halt nicht optimal gelöst. Ständig war mein Stumpf entzündet und schließlich sogar stark geschwollen. Ich konnte nicht mal mehr zur Schule. War echt besch... Sorry für die Ausdrucksweise, aber so war es.
Ralph Scharpenberg: Ja und dann, was hat wie geholfen?
Nick Weihs: Erst war ich ja skeptisch wegen meiner Familie, weil der Weg doch lang war, aber ich habe mich gut entschieden. Die Jungs in meiner neuen "Holzbeinbude" (grinst) haben mir einen sogenannten TEC-Harmonyschaft mit allem Drum und Dran gebaut, war schon der Hammer, wie erstaunlich das gleich lief. Und das Beste: Ich habe seitdem echt Ruhe. Zugegeben, es ist ein bisschen mehr Aufwand und muss gepflegt werden, aber das lohnt 100%.
Ralph Scharpenberg: Nur damit geht doch kein Hochleistungssport, so wie du ihn betreibst?
Nick Weihs: Stimmt, deshalb haben die Jungs auch alles in Bewegung gesetzt und mir mit der Allianz und Össur zusammen eine unglaubliche Powerprothese ermöglicht und gebaut. Mit zwei verschiedenen Carbonfedern, die ich bei Bedarf einsetze. So habe ich endlich auch ein Wort bei den Wettkämpfen mitzureden. Zudem kann mein Trainer, Andreas Peter, bei dem ich mich hier schnell mal für alles bedanke, top und gut mit mir trainieren können, und das sogar langfristig, was ich sonst nie durchgehalten habe. Ich habe echt Glück mit meiner "Holzbeinbude", die haben es echt drauf!
Ralph Scharpenberg: Prima, das hört sich gut an. Was hast du denn sportlich bisher so geleistet, und wo willst du hin?
Nick Weihs: Zuletzt war ich in Köln zum Jugendländercup. Dort bin ich immerhin die 100 Meter in 13,69 Sekunden gelaufen und bin 4,57 Meter gesprungen, Naja, das geht schon noch besser, aber ich habe mein Powerbein ja gerade erst ein paar Wochen. Mein Trainer sagt: "5 Meter mit 16 und 6 mit 17 und so weiter!" (lacht) Ich würde schon sehr gern bei den Paralympics mitmachen, das wäre mein größter Wunsch!
Ralph Scharpenberg: Was würdest du unseren Kunden mit auf den Weg geben?
Nick Weihs: Nicht aufgeben und nach den bestmöglichen Technikern suchen, wobei ich da ja einen Top-Tipp habe... (lacht)
Ralph Scharpenberg: Danke für die Blumen - und für das Interview. Wir drücken dir die Daumen und begleiten dich gern auf deinem Weg!
Nachtrag: Bei der Junioren-Weltmeisterschaft der Körperbehinderten in New York erreichte Nick beim 100- und beim 200-Meter-Lauf jeweils den in Hinblick auf die Medaillenränge zwar undankbaren, aber dennoch hervorragenden vierten Platz. Dabei erzielte "Quick Nick", wie ihn seine Mannschaftskameraden seitdem nennen, fantastische Zeiten: 12,77 Sekunden über 100 Meter und 27,04 Sekunden über 200 Meter.
Fernsehbericht: "Wir machen rüber"
Am 05.10.2008 war im ZDF ein Fernsehbericht über aktive Rentner in den "neuen Bundesländern" zu sehen, der auch ein Interview mit Ralph Scharpenberg beinhaltete. Mit freundlicher Genehmigung des ZDF können wir Ihnen diese Passage hier zeigen:
Video: Fernsehbericht "Wir machen rüber"
Thomas Beer - hervorragender Golfer und Weltklasse-Skibob-Fahrer
Thomas Beer wurde von uns mit zwei Unterschenkel-Prothesen mit Silikon-Pinsystem und Gelkniekappen ausgestattet.
Auch Thomas stand für ein kurzes Interview zur Verfügung:Ralph Scharpenberg: Hallo Thomas, danke, dass du kurz Zeit für ein Interview hast. Wie geht’s dir?
Thomas Beer: Gut, danke der Nachfrage. Sicherlich meinst du aber auch meine Prothesensituation?
Ralph Scharpenberg: Ja richtig, gerade haben wir dir ja wieder etwas Spezielles gebaut. Etwas für an Land, im Wasser und gerne auch in der Luft... (lacht)
Thomas Beer: Gerade komme ich ja wieder von der Skibob-Weltmeisterschaft. Dort bin ich 15. geworden, somit bin ich auch 15. der Weltrangliste - und alle vor und nach mir sind nicht behindert!
Ralph Scharpenberg: Wow, das ist ja ein unglaublicher Erfolg! Wie konntest du das schaffen mit zwei Unterschenkelprothesen?
Thomas Beer: Ich hatte mir einen guten Platz in der Weltrangliste vorgenommen, habe hart trainiert, mir gute Prothesen mit Silikon-Pinsystemen und Gelkniekappen bauen lassen - und gewonnen!
Ralph Scharpenberg: Da kannst du mehr als stolz sein! Herzlichen Glückwunsch!
Thomas Beer: Danke. Als nächstes möchte ich eine Medaille bei den Deutschen Meisterschaften im Behindertengolf. Das nächste Turnier ist Mitte August 2008 im Golfclub Varus. Ich bin schon im Training.
Ralph Scharpenberg: Aber du bist doppelt amputiert. Das muss doch Probleme geben. Wie meisterst du die?
Thomas Beer: Im Gegenteil, Ralph - ich habe bei jedem Event einen sehr großen Vorteil. Ich bekomme definitiv trotz Stress und Leistungsdruck vor den Wettkämpfen keine kalten Füße! (lacht)
Ralph Scharpenberg: Scherzkeks... Aber noch kurz eine ernste Frage: Hast du einen Tipp für andere Betroffene?
Thomas Beer: Ich versuche trotz Behinderung alles zu tun, was ich auch mit Beinen getan hätte. Und so lege ich die Latte hoch und versuche das Maximale. Ein bisschen Zähne zusammenbeißen, viel Training und eine gute Prothese sind da schon wichtig. Es gibt immer einen Weg!
Ralph Scharpenberg: Danke dir und weiterhin viel, viel Erfolg!
Fernsehbericht: "Auf dem Weg zur lebendigen Prothese"
Am 04.02.2008 wurde ein kurzer Fernsehbericht über den aktuellen Stand und die weiteren Ziele der Prothetik ausgestrahlt, in dem auch Ralph Scharpenberg zu Wort kam. Diesen wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:
Video: Fernsehbericht "Auf dem Weg zur lebendigen Prothese"
Nils Bandelin - Kugelstoßer mit Oberschenkelprothese
Nils Bandelin wurde von uns mit einem C-Leg ausgerüstet; zusätzlich fertigten wir eine spezielle Sportprothese für ihn.
Auch mit Nils haben wir ein kurzes Interview geführt:Ralph Scharpenberg: Hallo Nils, danke, dass du kurz Zeit für ein Gespräch hast.
Nils Bandelin: Gern, ich freue mich, etwas über den Behindertensport und die Möglichkeiten zu sagen.
Ralph Scharpenberg: Was machst du denn so sportlich?
Nils Bandelin: In erster Linie werfe ich Kugeln durch die Luft - Kugelstoßen ist meine Disziplin.
Ralph Scharpenberg: Wieso "werfen"?
Nils Bandelin: Absicht - das sagen immer alle fälschlich. Wer wirft, ist disqualifiziert. Stoßen ist sehr schwer und benötigt viel Training und Technik - und natürlich eine Top-Prothese.
Ralph Scharpenberg: Sag mal kurz was zu dir und deiner "Technik".
Nils Bandelin: Ich bin 38 Jahre jung, 1,87 m lang und 91 kg leicht. Im Alltag trage ich eine Oberschenkelprothese mit C-Leg und Co. Zum Sport aber habe ich mir einen speziellen Sportunterbau unter meinen Sportschaft bauen lassen.
Ralph Scharpenberg: Ist da etwas Besonderes notwendig?
Nils Bandelin: Logisch. Schon die Bodenauflage (der Fuß) muss flächig Kontakt haben. Es wird auch kein Kniegelenk benötigt, sondern die Prothese ist steif durchgebaut. Benötigt wird gern ein Puffersystem oder, zur Zeit im Test, ein Carbonstabsystem, damit ich etwas Flex habe.
Ralph Scharpenberg: An was für Aktivitäten/Wettbewerben nimmst Du teil?
Nils Bandelin: Erst einmal stehe ich für den Verein Blau-Weiß Grimmen als Sportansprechpartner zur Verfügung und bemühe mich um Öffentlichkeitsarbeit. Dann nehme ich an verschiedenen Wettkämpfen teil, natürlich auf Landes- und Bundesebene.
Ralph Scharpenberg: Welche Erfolge konntest du erzielen?
Nils Bandelin: Für meinen Verein mehr Aufmerksamkeit und für mich mehr Fitness und Körperkontrolle. An den ganz großen Ergebnissen arbeite ich noch. (lacht) Ich bin ja zudem selbstständig im Versicherungsbereich und somit knapp in der Zeit. Aber ich werde besser, du wirst schon sehen!
Ralph Scharpenberg: Super, und danke, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Wir, das Schreiberteam, wünschen dir und deinen Sportlern weiter viel Erfolg.
Balázs Koleszar - Motorsport mit Armprothese
Im Sommer haben wir Balázs aus Budapest kennengelernt. Balázs hat bei einem Unfall einen Arm verloren und sich doch durch eine tolle Erfindung die Möglichkeit für seinen Sport erhalten. Ein Interview mit ihm werden wir hier nachreichen. Bis dahin können wir ein Video zum Appetitmachen anbieten:
Video: Balázs Koleszar
Mathias Stiller - Orthopädiemechaniker und vielseitiger Sportler
Auch in den eigenen Reihen haben wir einen sehr aktiven Prothesenträger - Mathias Stiller arbeitet seit 2004 bei uns und zeigt uns täglich, was mit Prothesen alles möglich ist.
Ralph Scharpenberg: Hallo Mathias, ich hoffe, du verzeihst uns, dass wir nun auch dich zu einem Interview verdonnert haben. (grinst)Mathias Stiller: Das mache ich sogar gern - die neue Seite mit den "Erfolgsstories" finde ich klasse, und es sind einige tolle Persönlichkeiten dort zu finden.
Ralph Scharpenberg: Magst du dich kurz vorstellen?
Mathias Stiller: Klar. Ich bin 26 Jahre alt, komme ursprünglich aus Stralsund und bin wegen des Jobs hier nach Rostock gezogen. Vor etwa zehn Jahren wurde mir der linke Unterschenkel amputiert.
Ralph Scharpenberg: Du bist jetzt seit vier Jahren bei uns als Orthopädiemechaniker tätig. In der Zeit hat sich auch an deiner persönlichen Versorgung einiges getan.
Mathias Stiller: Allerdings. Als ich kam, hatte ich eine Prothese mit Weichwand-Innenschaft und einem Liner mit Pinsystem - durchaus eine übliche Versorgung. 2005 wechselte ich zum Harmony-System, das statt eines Pins, also eines Metallstifts am Liner, der im Schaft verankert wird, mit einem Unterdruck-System arbeitet. Das war schon eine ziemliche Verbesserung, aber leider hatte ich dennoch immer wieder Probleme mit meinem Stumpf, da sich nach der Amputation Exostosen - das sind spitze Knochenverwucherungen, die durch Nachwachsen des Knochens an der Amputationsstelle entstehen - gebildet hatten und so kein Endkontakt in der Prothese möglich war. Auch machten mir die Narben immer wieder Schwierigkeiten.
Ralph Scharpenberg: Was hast du dagegen unternommen?
Mathias Stiller: 2007 habe ich mich endlich zu einer Nachamputation entschließen können. Dabei wurden ca. vier Zentimeter Knochen entfernt - mein Stumpf war vorher ohnehin recht lang gewesen -, was zu einer besseren Weichteilabpolsterung führte, und auch die Kraternarbe, die mich oft geärgert hatte, wurde dabei gleich mit "entsorgt". Seitdem ist ein wesentlich besserer Endkontakt in der Prothese möglich, da der Stumpf deutlich weniger empfindlich ist. Und nun bin ich mit meinem Harmony-System auch richtig glücklich.
Ralph Scharpenberg: Das war sicherlich eine nicht ganz leichte Entscheidung, oder?
Mathias Stiller: Natürlich begibt man sich nicht gern unters Messer, und ich habe eine Weile gebraucht, bis ich soweit war, aber inzwischen bin ich sehr froh, dass ich den Eingriff habe vornehmen lassen - es hat sich für mich wirklich gelohnt. Ich bin jetzt erheblich aktiver, weil die Schmerzen weg sind, und neue Exostosen sind zum Glück nicht zu erwarten.
Ralph Scharpenberg: Wir haben dich hier als sehr aktiven Menschen kennen gelernt. Wie sieht deine Freizeit aus? Treibst du Sport?
Mathias Stiller: Hier in der Werkstatt bin ich, wie du weißt, täglich acht Stunden oder mehr auf den Beinen. In meiner Freizeit sind Zweiräder meine Leidenschaft - ich bin begeisterter Supermoto-Fahrer, liebe es, eine Enduro durchs Gelände zu steuern, und setze mich auch sonst gern auf jedes Motorrad. Außerdem bin ich sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs, und im Winter bin ich häufig beim Schlittschuhlaufen oder beim Eishockey-Spielen zu finden. Früher habe ich zusätzlich noch Tischtennis im Verein gespielt - vier der insgesamt acht Jahre mit Amputation.
Ralph Scharpenberg: Schlittschuhlaufen und Eishockey? Das stelle ich mir mit Prothese ziemlich schwierig vor...
Mathias Stiller: Nein, das funktioniert sogar extrem gut; ich spiele sehr oft privat mit Freunden.
Ralph Scharpenberg: Dann wünsche ich dir, dass du weiterhin so aktiv sein kannst - vielleicht entdeckst du ja noch neue Sportarten für dich, über die du dann hier berichten kannst. Es ist sicherlich für viele Leser interessant, was mit Prothesen so alles möglich ist.
Mathias Stiller: Das mache ich gern!
Ralph Scharpenberg: So, und nun wieder ab an die Arbeit! (grinst)
Mathias Stiller: Okay, Chef...
Henry Kaminski - ein Tag beim Volvo Ocean Race
Henry wurde von uns mit einem C-Leg ausgestattet - und kürzlich zu einem Segeltörn eingeladen, bei dem er Tester für eine spezielle Sicherungskonstruktion spielen musste.
Henry war nach der Fahrt zu einem kleinen Interview bereit:Ralph Scharpenberg: Hallo Henry, am Samstag war ja unser großer Tag auf der Rennjacht. Wie bist du denn auf die Idee gekommen?
Henry Kaminski: Na, ich wohne am Meer und fahre auch gern zum Hochseeangeln. Trotz meiner Behinderung - ich bin oberschenkelamputiert - wollte ich schon immer mal echtes Sportsegeln erleben, und da kam das Angebot, "Testpilot" zu sein, gerade recht.
Ralph Scharpenberg: Hattest du denn keine Bedenken, dass es schwierig wird?
Henry Kaminski: Nein, ich habe mich ja früh von deiner Konstruktion überzeugt und dir auch vertraut. Wer meine Prothese top baut, lässt mich schon nicht über Bord gehen. (lacht)
Ralph Scharpenberg: Danke für die Blumen, die gebe ich gern zurück - du hast dich wirklich äußerst gut geschlagen und jede noch so starke Schräglage, auch über längere Kurse, gemeistert.
Henry Kaminski: Es war überhaupt kein Problem. Durch den Schalensitz und das dreifache Sicherheitssystem saß ich wie in der Loge und konnte das gesamte Schiff überschauen und zudem sogar noch viele Actionfotos machen.
Ralph Scharpenberg: War es denn, mal unabhängig vom Sicherheitsaspekt, auch bequem genug?
Henry Kaminski: Oh ja, du hattest ja die Sitzfläche noch mal nachgepolstert, und das war schön warm und bequem! Nach Ermutigung habe ich es ja sogar zwischendurch zur Reling für "eilige Fälle" geschafft. Ich kann das nur jedem empfehlen, der trotz oder gerade wegen einer Behinderung solche Erlebnisse haben will. Es ist einfach g...!
Ralph Scharpenberg: Du würdest es wieder tun?
Henry Kaminski: Ja, immer wieder...
Ralph Scharpenberg: Hast du für unsere Leser noch einen Tipp?
Henry Kaminski: Ich versuche mein Leben zu leben und will mich nicht einzwängen lassen. Wenn ich eine Gelegenheit bekomme, etwas Neues zu probieren, bin ich Feuer und Flamme. Bein ab ist schlimm, aber nix versuchen und erleben viel schlimmer! Ich sage: "Traut Euch, es bringt Spaß ohne Ende!"
Ralph Scharpenberg: Danke dir, Henry, für deine Worte - und mit dir gern jederzeit wieder.
Jan-Christoph Ihrens - ein Dreifach-Amputierter spielt Tischtennis
Als Dreifach-Amputierter stellte Jan-Christoph Ihrens uns vor eine besondere Herausforderung. Momentan ist er mit einer Oberschenkelprothese mit C-Leg, einer Unterschenkelprothese mit dem Harmony-System und einer myoelektrischen Oberarmprothese ausgestattet.
Auch Jan war bereit, uns ein paar Fragen zu beantworten:Ralph Scharpenberg: Hallo Jan, schön, dass wir auch dich interviewen dürfen. Magst Du ein wenig über dich und deine Prothesenversorgung erzählen?
Jan-Christoph Ihrens: Klar. Ich bin gerade 40 geworden, bin 1,78 m groß und wiege... Tja, schwer zu sagen, denn ich kann mich nur mit Prothesen wiegen. Mit meinen beiden Beinprothesen, Jeans, T-Shirt und Schuhen wiege ich momentan 67 kg, aber die Angabe ist wenig aussagekräftig, denke ich.
Mir wurden vor elf Jahren nach einem Unfall der linke Oberschenkel, der rechte Unterschenkel und der linke Oberarm amputiert. Ich hatte das große Glück, bereits meine ersten Interimsprothesen von dir gebaut zu bekommen, und bereue es nicht, häufiger mal den doch etwas längeren Weg von meinem Wohnort Kiel nach Rostock zurücklegen zu müssen, wenn etwas an meiner Versorgung getan werden muss. Ihr habt bisher noch jedes Problem in den Griff bekommen. Momentan bin ich Robocop-mäßig mit einem C-Leg, einer Unterschenkelprothese mit Harmony-System und einer myoelektrischen Armprothese ausgerüstet. Viel Hightech also.
Beruflich bin ich seit sieben Jahren selbstständig als Webentwickler und Webdesigner.
Ralph Scharpenberg: Und auch sportlich bist du recht aktiv?
Jan-Christoph Ihrens: Ja. Bereits als Jugendlicher habe ich ein paar Jahre lang Tischtennis gespielt. Nach einer "kurzen" Pause von 20 Jahren habe ich vor etwa vier Jahren wieder damit angefangen. Zunächst habe ich ausschließlich in einer Mannschaft mit Nichtbehinderten auf Kreisebene gespielt, aber nach etwas über einem Jahr interessierte ich mich auch für den Behindertensport und bin dafür zusätzlich in einen speziellen Behindertensportverein eingetreten, der seine Sportler sehr gut unterstützt. Inzwischen trainiere ich in meinem "Hauptverein", dazu privat mit einem sehr guten Trainer sowie im schleswig-hosteinischen Leistungszentrum für Behindertensport-Tischtennis wöchentlich insgesamt zwischen sechs und neun Stunden.
Ralph Scharpenberg: Benötigst du für deinen Sport spezielle Prothesen?
Jan-Christoph Ihrens: Nein, da sehe ich im Moment auch keinen Bedarf. C-Leg und Unterschenkelprothese bieten mir die benötigte gute Standfestigkeit und Balance verbunden mit großer Flexibilität - ich wüßte nicht, wie man das stark verbessern könnte. Auf die Armprothese verzichte ich beim Spielen; beim Sport stört sie - im Gegensatz zu den meisten Alltagssituationen - doch etwas.
Ralph Scharpenberg: Konntest du auch schon ein paar Erfolge verbuchen?
Jan-Christoph Ihrens: Als Highlights wären zwei Aufstiege in drei Spielzeiten mit meiner "Nichtbehinderten-Mannschaft", ein dritter Platz im Einzel bei den Kreismeisterschaften (ebenfalls bei den Nichtbehinderten) sowie drei Teilnahmen an den Deutschen Meisterschaften im Behindertensportbereich zu nennen. Bei der letzten DM bin ich immerhin ins Viertelfinale gekommen, habe also den geteilten 5. Platz belegt. Noch keine Weltklasse-Platzierungen, aber ich arbeite daran. (grinst)
Ralph Scharpenberg: Hast du noch einen Ratschlag für unsere Kunden?
Jan-Christoph Ihrens: Wie Nick schon sagte: Man darf nicht aufgeben, muss immer weiter an sich arbeiten. Es gibt Momente, in denen das frustrierend erscheint, aber andererseits ist es erstaunlich, was man - nicht zuletzt dank der guten Prothesentechnik - auch als Amputierter alles erreichen kann.
Ralph Scharpenberg: Dann danke ich dir für das Gespräch und wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Tischtennis!
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