Kirsten Bruhn - Schwimmerin mit Paralympics-Madaillen-Ambitionen

Foto: Schwimmerin Kirsten Bruhn sitzt auf einem Startblock
Kirsten Bruhn am Startblock

Vor kurzem hat mir Kirsten Bruhn kurz nach ihrem erfolgreichen Wettkampf bei den British Open in Sheffield ein Interview gegeben.

Ralph Scharpenberg: Hallo Kirsten, ich freue mich, dass du zwischen deinen vielen Wettbewerben und den Paralympics kurz für unsere Leser Zeit hast.

Kirsten Bruhn: Aber gerne, deine "Motivationsseite" unterstütze ich gerne.

Ralph Scharpenberg: Du bist unser größtes Schwimmtalent. Was machst du gerade?

Kirsten Bruhn: Ich arbeite (lacht), und zwar bei der AOK in Neumünster als Kundenberaterin.

Ralph Scharpenberg: Ja, aber... wie geht das bei dem immensen Trainingspensum, das du absolvieren musst?

Kirsten Bruhn: Ich habe großes Glück und werde durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe so gefördert, dass ich einige Stunden des Tages komplett in mein Training stecken kann.

Ralph Scharpenberg: Du warst schon mit 15 Jahren zur Qualifikation der Junioren-Europameisterschaften, hast dich aber auf Schule und Beruf konzentriert. Dann der Unfall 1991 - inkompletter Querschnitt. Wann ging es mit dem Schwimmen wieder los?

Foto: Schwimmerin Kirsten Bruhn während eines Rennens (Brustschwimmen)
Kirsten Bruhn während eines Rennens

Kirsten Bruhn: 2002 habe ich dann wieder an Wettkämpfen teilgenommen - frei nach meinem Leitsatz: "Ich bin zwar behindert, aber ich bin nicht behindert!" Ich habe also von vorn angefangen, und es läuft/schwimmt ja nicht ganz so schlecht...

Ralph Scharpenberg: Stimmt auffallend! 2006 warst du für den Laureus Sport Award nominiert, 2007 dann Sportlerin des Jahres in Schleswig-Holstein und nun Olympia-nominiert und unsere ganz große Goldhoffnung.

Kirsten Bruhn: Schau'n wir mal... (lacht bescheiden) Gold wäre schon schön, aber seien wir mal ehrlich - Bronze schimmert schöner als Gold.

Ralph Scharpenberg: Nun mal nicht so bescheiden.

Du wirst 100 m Brust und Rücken angehen, wie bereitest du dich auf diesen wichtigsten Wettkampf vor?

Kirsten Bruhn: Natürlich mit meinem Trainer, Freund und Gönner - meinem Vater!

Ralph Scharpenberg: Wow, ihr arbeitet zusammen. Was steht denn nun bei euch Zweien so an?

Kirsten Bruhn: Es geht jetzt mit der Leistungsdiagnostik los und steigert sich nach einem festen Plan und Ablauf bis zum Wettkampf, harte Arbeit eben.

Ralph Scharpenberg: Wie ist es denn mit dem Mediendruck auf dich, du bist ja doch das Paralympics-Aushängeschild für deinen Sport.

Kirsten Bruhn: Das ist schon manchmal ein bisschen viel. Ich würde mich freuen, wenn auch andere tolle Sportler die Aufmerksamkeit bekämen. Ich denke da zum Beispiel an Daniel Clausner. Er ist sehbehindert und ein toller Schwimmer und Sportler!

Ralph Scharpenberg: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Foto: Schwimmerin Kirsten Bruhn nach dem Rennen in Siegerpose
Kirsten Bruhn nach einem Sieg

Kirsten Bruhn: Erfolg für unser Team bei den anstehenden Wettkämpfen und mehr Integration von Behinderten in das ganz normale Leben. Es sollte nicht so viel Extrawurst und getrennte Behandlung geben... dann gäbe es mehr Selbstverständlichkeit. Ein Miteinander, nicht Nebeneinander!

Ralph Scharpenberg: Ja, das glaube ich gern. Was kannst du unseren Lesern zu deinem Sport empfehlen, wie kommt man so weit wie du?

Kirsten Bruhn: Oh, danke für die Blumen. Dazu gehört sicherlich Stehvermögen und Disziplin, aber unbedingt auch tolle Helfer und Trainer und Freunde. Wichtig sind gute und kompetente Ansprechpartner, z. B. hier im Norden Dörte Paschke (www.doerte-paschke.de) aus Greifswald. Sie ist Co-Trainerin für den Cheftrainer der Schwimm-Nationalmannschaft des DBS (Deutscher Behinderten-Sportverband) und trainiert zum Beispiel auch Torben Schmidtke und Mario Hartmann (beide sind - man vermutet es kaum - ebenfalls Schwimmer).

Ralph Scharpenberg: Also werde ich bei Nachfragen Dörte empfehlen. Vielen Dank für das Interview - wir alle wünschen dir den maximalen Erfolg. Auf dass bald Gold an dir hängen wird, auch wenn es nicht "so gut aussieht"! (schmunzelt) Vielleicht magst du ja bei uns nach den Wettkämpfen über deine Eindrücke berichten. Das wäre was! Ich drücke dir schon mal kräftig die Daumen.

Kirsten Bruhn: Danke dir, das will ich gern tun. So, nun muss ich wieder ins Wasser - der Trainer ruft, bis bald!

Ralph Scharpenberg: Bis bald und danke.

Sowohl vor als auch nach unserem Interview konnte Kirsten jede Menge Erfolge feiern. Hier eine kurze, aber dennoch äußerst beeindruckende Aufistung (Auszug aus Kirsten Bruhns Website):

Größte Erfolge

November 2013 Auszeichnung mit dem Bambi in der Kategorie Sport
Paralympics London 2012 1x Gold, 1x Silber
Januar 2010 Sportlerin des Jahres 2009
Januar 2009 Sportlerin des Jahres 2008
Paralympics Peking 2008 1x Gold, 1x Silber, 3x Bronze
Paralympics Athen 2004 1x Gold, 2x Silber, 1x Bronze

Insgesamt:

  • 96-fache Deutsche Meisterin
  • 65 Weltrekorde
  • 76 Europarekorde
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